Vorbem.: Nachdem die kleine Fiona, die Reporterin von 2018, als Falter leider nur eine monatelange Lebenserwartung hat, musste der Autor dieser Zeilen heuer wieder persönlich seine Recherchen für die Nachbereitung der „Nacht der offenen Tür“ anstellen. Der peinliche Fauxpas, dass im Vorjahr ausgerechnet seine Fachkolleg/inn/en in der Bibliothek ignoriert (sagen sie) bzw. vergessen (sagt er) worden sind, sollte mit einem sehr genauen Blick auf diese heuer ausgeglichen werden.

Im Schülerzentrum, also im Bibliotheksteil ohne Bücher, hatte man Tischgruppen aufgestellt, und tatsächlich waren beim Eintreffen des Reporters alle Plätze besetzt. Die Kolleginnen Gmeiner, Kerstinger und Schlögl hatten sich als Überbegriff zu einem kleinen Stationenbetrieb das Thema „Märchen“ ausgesucht. Die Spiele Memory, Domino, Quartett und „Prinzessin, ärgere dich nicht“ waren so aufbereitet worden, dass sie nicht nur mit dem Denkvermögen, sondern auch mit dem Hör-, Tast- und sogar Geruchsinn zu lösen waren. Selbstverständlich spielte das Lesen seine Rolle, und als Belohnung winkten ein Bücherwurm und ein Lesezeichen. Die Betreuerinnen lobten den Fleiß der Kinder, so war es den Eltern sogar möglich, die Bibliothek genauer in Augenschein zu nehmen bzw. einfach ein bisschen auf einem Sofa auszuruhen.

Apropos Eltern und Kinder: Das bewährte Guide-System stellte sich heuer so dar, dass nicht selten die Eltern von den Oberstufenschüler/inne/n über das Haus und seine Möglichkeiten informiert wurden und die Kinder extra mit ungefähr Gleichaltrigen unterwegs waren. Eine Mutter erklärte das so, dass ihr Volksschüler bereits von einem BRG-Erstklasser aus demselben Dorf angesprochen worden war, damit der ihm höchstpersönlich seine ersten Erfahrungen weitergeben konnte. Also: Großes Lob an die Guides, ebenso an die vielen Helfer/inn/en bei den Fachgruppen in den diversen Lehrsälen und Klassen – und nicht zu vergessen an die, die „einfach so“ vorbeigekommen waren, um nicht zuletzt das weiterzugeben, was ihnen an „ihrer“ Schule gefällt und worauf man ihrer Meinung achten müsse.

Vielleicht erklärt das die Ergebnisse von Umfragen, die einem aus der Alltagserfahrung heraus etwas seltsam erscheinen: Laut Pisa-Studie 2015 würden sich 76 % unserer 15-Jährigen in ihrer Schule wohl fühlen (Quelle: Der Standard vom 19.04.2017). Es scheint so, als würden aus dem Gesamtpaket mit lernen müssen und Stress haben und Unnötiges geboten bekommen andere Bereiche vieles aufwiegen und wiedergutmachen: Freund/inn/e/n finden, nette Begegnungen erleben, täglich Neues kennen lernen, sich gut aufgehoben fühlen.

Im Zeitalter des Datenschutzes sind Namensnennungen nicht mehr ohne Weiteres gestattet, daher anonymisiert ein wunderschönes Erlebnis: Eine Fachgruppe möchte eine Klasse für den Abend adaptieren, ein Mädchen ist noch da und arbeitet am Laptop. Sofort klappt es das Notebook zu und fragt, ob es helfen könne. Mit leichtem Herzen sagt man ja, sind auf den Tischen doch viele Ordner und Lernmaterialien, die nun systematisch in Wandschränken verstaut werden. Ein Klavier wird in die Klasse geschoben, das Mädchen fragt, ob es ein bisschen spielen dürfe. „Comptine d'un autre été“ aus der „Fabelhaften Welt der Amélie“ erklingt, und auf die berechtigte Frage, wie lange man dafür das Instrument gelernt haben müsse, folgt die unerwartete Antwort „In der Fünften habe ich begonnen“. (Upps, jetzt sollte doch erwähnt werden, dass es eine Sechstklasserin war!)

Möglicherweise ist der Text jetzt in die Richtung einer Themenverfehlung gerutscht – der Autor ist aber wie gesagt selbst Deutschlehrer und argumentiert mit der verdeutlichten Intention: Danke, liebe H., dass du in einer viertelstündigen Begegnung gezeigt hast, was Schule als Sozialform im besten Fall sein kann, und danke auch an die vielen Unerwähnten, die das Gleiche durch ihre Beiträge bei der „Nacht der offenen Tür“ (nicht nur 2019!) leisten. Und besonders schön ist es, dass die Unerwähnten allen Generationen angehören, die im BRG OP beschäftigt sind. Wie heißt es im Neuen Testament? „Kommt und seht!“ (Joh 1,39)